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Ein Italiener, ein Deutscher und ein Schweizer

Dienstag

Die anderen Austauschstudenten im Physik-Master lerne ich bei der inscription pédagogique kennen. Um 14:30 tanzen wir an, um zu hören, worum es sich dabei handelt: Jeder Student hat mit der stellvertretenden Austauschkoordinatorin ein viertelstündiges Gespräch darüber, welche Fächer man belegt. Herr Sydow ist um 18:30 als Drittletzter dran.

Gut, dass ich nicht schon den ganzen Sommer mit der Sorbonne über meine Fächer verhandelt habe…

Also sitzen wir vier Stunden in einem stickigen Wartezimmer. Ich lerne, dass von den 15 Austauschstudenten knapp die Hälfte aus Deutschland kommt, die Wohnungssuche bei allen schrecklich war und viele ebenfalls noch keinen Bachelorabschluss haben, aber hier im Master studieren. Die Pariser Studenten scheinen von irgendwo ein Jahr Rückstand zu haben.

Weil die Zulassung zum zweiten Jahr des Masterstudiums sehr kompetitiv ist, müssen auch wir hart verhandeln für bestimmte Kurse – eine Kollegin gerät in eine Mündlichprüfung über Quarks. Ich komme damit davon, meine Note in Quantenmechanik letztes Jahr zu nennen und die Schweizer Notenskala zu erklären, scheitere aber daran, “4 Komma 75” auf Französisch auszusprechen. Was “Plus” und “Minus” heisst, weiss ich auch noch nicht. Man schwatzt mir ein zusätzliches Laborpraktikum auf, womit der Traum vom chilligen Semester erst einmal ausgeträumt ist. Mit Statistischer Physik, Quantenmechanik, Plasmaphysik und zwei Experimentierfächern schreibe ich 24 ETCS, alle auf Französisch.

Kochen, Quantenmechanik, Karaoke: Wähle 1.

Mittwoch

Ich habe frei und wasche Wäsche.

Donnerstag

An der Sorbonne gehe ich als einer von Hunderten Austauschstudenten an die Erasmus-Begrüssung.

Ich werds noch bereuen, mich mehr mit meinen Sitznachbarn als den Helpdesks, Statistiken und QR Codes der Präsentation beschäftigt zu haben…

In den Tote-Bags lag ein sehr wichtiges Geschenk für die Zeit nach meiner Rückkehr.

Wir sitzen im selben Boot: Keiner kennt irgendwen. Es fühlt sich exakt an wie in den ersten Tagen an der ETH:

What do you study?

Where are you from?

What's your name?

Let's exchange phone numbers!

ehhh...
...have a nice day!

Hier wird es nicht anders sein als am Erstitag daheim, von dem ich etliche Telefonnummern eingespeichert habe, deren zugehörige Gesichter längst vergessen sind. Am Ende des Tages esse ich mit zwei Deutschen an der Seine Abendbrot, mit denen ich mich gut verstehe.

Vom Apéro plündere ich 7 Croissants.

Freitag

Um einen Eindruck vom Physikunterricht auf Französisch zu bekommen, besuchen wir einen Wiederholungskurs zur Klassischen Mechanik. Inhalt und Präsentation sind identisch zum Stil an der ETH. Es erfordert höchste Konzentration, dabei zu bleiben, wobei ich mit meiner 15-Minuten-Konzentrationsspanne chancenlos bin. Wie halten die Profs bloss eineinhalb Stunden ohne Pause durch?

Hätte keine Chance, hätte ich den Stoff nicht daheim schon gehabt.

Wir bekämpfen die stickige Luft und Gluthitze im Hörsaal mit Feuerlöschern und Mülleiern.

Samstag

Der Tag verdient einen eigenen Post. Gleich weiterlesen !