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Aquädukte & Das Jüngste Gericht

Was ist das eigentlich für eine Konstruktion auf der 100-Franken-Note? Ich möchte so eine heute im Gelände finden. Die Rede ist von einer Suone, einer Walliser Wasserleitung. Wie für alles, was im Wallis interessant ist, muss man dazu erst einmal 200 Höhenmeter die Talflanke hoch. Die Suche führt mich entlang eines Wanderwegs tief in den Wald hinein. Der Wanderweg ist recht spektakulär, aber gar nicht lustig, wenn man dabei ein Fahrrad mit Gepäck schieben muss. Das Geländer gegen das Tal besteht aus einem funktionstüchtigen Rohr und hat tatsächlich ab und an einen Hahn oder ein Absperrventil daran. Gelegentlich kreuzen ins Tal führende Metallrohre den Weg. Bzgl. Suone begegnet mir nur ein Rinnsal mit 20 cm hohem Erddamm.


In Raron habe ich die Wahl, das Velo 70 Höhenmeter bergauf zu schieben, um in der markanten Burgkirche eine Darstellung des Jüngsten Gerichts von 1512 zu sehen, oder nach Avignon weiterzufahren. Der Ortskern ist so malerisch, wie ein Walliser Dorf nur sein kann, der Anstieg aber brutal. Das Jüngste Gericht auch: Ein gutes Stück oberhalb des Dorfes verläuft ebenfalls eine Suone. Ich habe noch nicht aufgegeben und klettere hoch. Direkt bei der Burgkirche wird fliessendes Wasser über einen Aquädukt mit Stützpfosten aus Bahnschienen abgezweigt:


Noch einmal auf den Berg geht es in Leuk. Im Beinhaus unter der Kirche des Ortes sind tausende Totenschädel zu einer Wand aufgeschichtet. Normalerweise mache ich einen Bogen um morbide Attraktionen dieser Art, aber den Erbauern im 16. Jhr. scheint ihre Botschaft derart wichtig gewesen zu sein, dass sie bereit waren, dafür ihre eigenen Vorfahren derart blosszustellen. Und hier sieht man nur die vorderste Schicht an Schädeln, die auf den Gekreuzigten schauen. Was sollen sie uns sagen?

Was du bist, waren wir. Was wir sind, wirst du sein.

Und im Tod sind wir alle gleich.


Bis Sonnenuntergang fahre ich durch den Pfynwald, koche auf einem Parkplatz Abendessen und überquere die Sprachgrenze.