Woran erkennt man, dass die Tour schon ein ganzes Weilchen geht? Richtig: An der Länge der Fingernägel. In Ermangelung einer Nagelschere muss die Beisszange aus dem Flickzeug herhalten.
Zu zweit spornen wir uns unabsichtlich gegenseitig dazu an, schneller zu fahren, und kommen zügig voran. Sehr bald erreichen wir Avignon.
Die Stadt der Päpste, die eigentlich strahlender Endpunkt der Reise sein sollte, stellt sich als Enttäuschung heraus. Einen gemütlichen Ort, an dem wir vor der lähmenden Sommerhitze geschützt sind, suchen wir vergebens. Die Altstadt ist mit Touristen überfüllt und scheint sich nur um diese zu drehen. Könnte man sie in Ruhe erkunden, hätte der Ort sicher Vieles an geschichtsträchtigen, alten Steinen zu bieten, aber so wollen wir nur noch raus. Ausserhalb der Stadtmauer tost der Verkehr. Am Ufer machen wir das obligatorische Foto mit der berühmten, zerstörten Brücke.
Unmittelbar bevor wir der Stadt den Rücken kehren, machen wir zwischen Riesenrad und Stadttor kurz Rast auf einem Bänkchen bei unseren Radeseln.
12 km hinter Avignon merken wir, dass meine Waschtasche fehlt. Höchstwahrscheinlich haben die beiden Penner, die sich kurz zu uns auf jene Bank setzten und gleich wieder gingen, die Tasche geklaut. Darin waren nicht nur Zahnbürste und Reiseapotheke, sondern auch 80€ Bargeld und Gregors Bluetooth-Lärmbox, vor allem aber mein Reisepass. Während Gregor unser Gepäck bewacht, fahre ich zurück nach Avignon, frage bei der Polizei danach, suche die Gegend um den Tatort ab und durchwühle Mülleimer (der Polizist meinte, Diebe würden ausgeweidete Taschen oft über Mülleimer beseitigen). Natürlich ergebnislos. Als ich am nächsten Tag das Fundbüro anrufe, hängt die Dame am Telefon in dem Moment auf, als ich das Wort Tasche sage – es seien gestern keine Taschen gefunden worden. Beim zweiten Versuch ist sie nicht weniger abweisend.