Ohne einem Grenzschild zu begegnen, überquere ich bald nach dem Losfahren die Landesgrenze. Nun lerne ich auf die harte Tour, dass das Westschweizer Juragebirge in Frankreich weitergeht. Auf der Karte sah die Gegend so harmlos aus, denn ich habe keine Höhenlinien heruntergeladen.
Dass der Veloweg in Vulbens links abgebogen wäre, merke ich erst, als ich ein ganzes Stück weiter ins Tal gerollt bin. Anstatt alles wieder hochzufahren, folge ich lieber der Überlandstrasse. Nach einem längeren Anstieg in der prallen Sonne folgt die hart verdiente Abfahrt, die mit einem Lastwagen im Nacken auch nicht lustig ist. Der ferne Radweg umfährt den Berg auf der anderen Flussseite. Das Mittagessen unter einer Autobahnbrücke hinter Bellegarde-sur-Valserine wird mir versalzen von der neusten Erkenntnis, gleich nochmal 200 Höhenmeter neben vorbeirauschenden Autos hochschnaufen zu dürfen.
Später warte ich im Örtchen Seyssel am Fluss das Gewitter ab. Der frisch geteerte, flache Radweg stimmt mich schon hoffnungsvoll, die Velowege würden in Frankreich nun besser, verwandelt sich innerhalb einer Viertelstunde jedoch in die gleiche Mountainbikepiste aus groben Steinen, die es zuletzt hinter Genf gab – dasmal jedoch mit grossen Schlaglöchern. Auf dem Campingplatz, den ich spät abends erreiche, ist bis 23h noch grosser Trubel mit herumtollenden Kindern. Wenn ich in der Schweiz um die Zeit so leise wie möglich mein Zelt aufgebaut habe, hiess es am nächsten Tag oft, ich hätte andere Gäste erschreckt.